Tribute to Taky Kimura (RIP)

[Link to English version (PDF) below]

Auf den Spuren meiner Wurzeln…

Ich befand mich in Valencia, zuhause am Strand beim Geniessen von Sonne, Strand und Meer, obwohl es in Zürich, im Februar 2020, die Tage ziemlich nass und kalt waren. Praktisch jeden Tag konnte ich mit meiner Mutter entlang dem Strandboulevard spazieren gehen, und mich trotz Anfangsphase der COVID-Zeit, völlig körperlich und mental erholen, sowie neue Pläne für die Zukunft schmieden.

In den daraufkommenden Tagen und Wochen, wollte ich u.a. den Seminarplan der nächsten zwei Jahren festlegen. Nicht nur Seminare, die ich selbst geben wollte, sondern auch solche dich ich in Zukunft bei mir in Zürich gestalten wollte. Natürlich hatte ich im Programm mein Brazilian Jiu-Jitsu Mestre Carley Gracie, aus San Francisco wieder einzuladen. Hatten wir doch erst gerade, mit unseren Schülern eine grossartige Zeit mit Seminaren in Zürich, Berlin und Athen verbracht.

Obwohl ich mich Gracie Jiu-Jitsu-mässig, wegen meinem Background als letzter Privatschüler von Mestre Pedro Hemetério, als 100% GJJ-Mann betrachte, weiss jeder um mich herum, dass ich auch weiterhin in all diesen Jahren meine Jeet Kune Do-, Kali-Silat- und Muay Thai-Wurzeln treu geblieben bin, und auch niemals darüber ein Geheimnis gemacht habe.

Zeit zu denken, Zeit zum Handeln!
Ich hatte gerade in diesen Tagen entschieden, dass ich meine Jeet Kune Do/Kali-Gruppe ausbauen wollte. Ich hatte aber die Rechnung nicht mit dem COVID-19 gemacht! Um meinen JKD/Kali-Schülern die Möglichkeit zu geben über den eigenen Tellerrand zu sehen, hatte ich vor, nicht nur Seminare im Bereich «JKD Concepts», sondern auch im «Original» zu hosten. JKD Concepts-mässig hatte ich u.a. Steve Grody (einem Inosanto Topschüler) und exzellenten Messerkampf-Experte nach Zürich eingeladen, um uns seine Unterrichtsmethode vorzustellen.

Aber eben auch das «Original» Jeet Kune Do wollte ich meinen Leuten näherbringen, und so kontaktierte ich einige Experten aus der Taky Kimura- und Ted Wong-Linie. Von der Ted Wong-Linie, nahm ich mit Joaquin Marcelo Kontakt auf. Sifu Joaquin lebt und unterrichtet in Madrid, und ist einer der wahren Vertreter des «Original» JKD. Sein letztes Werk ist ein Buch, welches sich wirklich zeigen kann. Es wird sogar von Shanon Lee und der Bruce Lee Foundation unterstützt und zum Kauf angeboten.

Wie ich schon erwähnte, wollte ich nach Möglichkeit auch von der Taky Kimura-Linie einladen. Lernte ich doch Meister Kimura vor sehr langer Zeit kennen, als ich als junger Mann um etwa Ende ’95, mich auf eine meiner «typischen» JKD-Roots-Reisen machte, um bei verschiedene Lee Schülern zu trainieren, u.a. bei Larry Hartsell, Jerry Poteet (den wir in Zürich um 2002 für ein Seminar zu Besuch hatten), Leo Fong, und natürlich auch das Grab von Bruce Lee besuchte.

Damals fand ich es doch hochinteressant, dass ein Japaner (wie Taky Kimura) einen «chinesischen» Stil und Meister folgen würde, und als grosser Japan-Fan wollte ich unbedingt diesen Mann kennenlernen.

Umso trauriger macht es mich heute, dass ich diesen Menschen und Meister nicht weiterverfolgt hatte, als ich es machen wollte. Heute bekam ich die traurige Nachricht, dass Meister Kimura verstorben ist, was meiner Meinung nach, ein grosser Verlust für die ganze Kampfkunstwelt ist. Ich kann nur mit ganzem Herzen hoffen, dass seine Nachfolger die Gelegenheit nehmen, sein Wissen und Lehren an die nächsten Generationen weiterzugeben, damit es nicht verloren geht. Mein tiefstes Beileid geht der ganzen Kimura-Familie und dem JKD-Kimura-Clan.

Wer aber war Taky Kimura?
Meiner Meinung nach haben nur ganz wenige Menschen den wahren Bruce Lee kennengelernt, und mit «wahren» meine ich, den Menschen hinter den Kulissen seiner Filme und der Schulen (in Seattle, Oakland und Los Angeles). Zu diesen wenigen gehört bestimmt auch der legändere Taky Kimura, der wirklich sein ganzes Leben verbracht hat, dass Jeet Kune Do weiterzugeben, welches er ohne Umwege vom Meister persönlich gelernt hatte.

Im Jahr 1959, kurz nachdem Bruce Lee in Seattle ankommt, und kurz vorher in San Francisco gelebt hatte, treffen sich Kimura und Lee erstmals im Restaurant der Familie Chow, die angeblich Freunde von Lees Vater waren. Mit dabei war auch der gemeinsame Freund Jesse Glover, einer von Lee ersten Schüler.

Damals besass Lee (noch) ein eher klassischer Kung-Fu-Background. Sein Wissen bestand aus Choy Lee Fut, Hung Gar, Mantis und Wing Chun, aber er selbst identifizierte sich sehr stark mit dem letzteren, was er auch in Seattle am Anfang – in einer modifizierten Form, seinen Schülern unterrichtete.

Taky Kimura wurde schon sehr bald, nicht nur Lees Trainingspartner, sondern übergab ihm auch die Klassen, wenn er selbst nicht da sein konnte. Da Kimura japanische Herkunft hatte, aber in den USA geboren wurde, war es damals für ein Japaner sehr schwierig geworden, nach dem Krieg (zwischen den USA und Japan) zu Leben. Dank dem Vertrauen und die Aufgabe die Kimura von seinem Lehrer und Freund Lee bekam, gewann er wieder an Selbstvertrauen und innere Stärke, trotz sehr schwieriger Kindheit gewonnen.

Kimura sowie auch Jesse Glover, waren gerade in Lee jüngster Entwicklungszeit mit dabei. So erlebten sie hautnah die ersten Herausforderungskämpfe die Bruce Lee auch in seiner Schule hatte. Eines der bekannteren Geschichten um diese Zeit herum, war die von einem namhaften Karate-Kämpfer. Das Karate war damals die bedeutendste Kampfkunst aus Asien, und Lee wurde mit seinem offenen Denken eine wahre Bedrohung für die asiatische Kampfkunst-Community geworden. Nachdem Lee den harten Kick des Karate-kas abblockte und ihn mit Fauststössen überflutete, dies innerhalb von Sekunden, war Lee sogar bereit den Mann zu sich als Schüler aufzunehmen. Dies zeigt meiner Meinung nach, wie Bruce Lee über das Ganze stand.

Schon bald übernahm Meister Kimura die Schule in Seattle, als Lee mit seiner Familie nach Kalifornien geht. Die Verbindung zwischen Kimura und Lee blieb jedoch aufrecht, da die Mutter von Linda Lee, die Ehefrau von Bruce, weiterhin in Seattle lebte und sie die Familie mehrmals im Jahr trafen. Dies machte es auch möglich, dass trotz der grösseren Distanz, Kimura weiterhin und persönlich mit Lee trainieren konnte.

Durch diesen persönlichen Unterricht bemerkte Kimura, wie sich Lee vom «klassischem» Kung-Fu löste. So wie auch von den Übungsformen, die er einst selbst vertrat, zum Beispiel das Chi Sao aus dem Wing Chun Kung-Fu. Lee meinte einfach, dass er, nachdem er mit Kareem Abdul-Jabbar trainiert hatte, für diese Übungsform kein wahres nutzen sah. Bruce Lee kam so zu sagen, zum Entschluss, dass es keine «festen» Formen notwendig waren, wenn man einen Gegner wie Kareem gegenübersteht.

Jeet Kune Do: «Original» oder «Concepts»?
Als moderner Kampfkünstler mit tiefen Wurzeln in den traditionellen Stilen, aber stets mit dem Focus auf die praktische Anwendung zur Selbstverteidigung, egal in welcher Zeit-Periode meines Lebens, eines was mich so stört, ist diese unnötige Geheimniskrämerei.

Als das Internet zur Welt kam, dachte ich, dass wir nun Menschen dank dieser offenen Informationsquelle, uns besser austauschen und unterstützen würden. Aber dies war nicht der Fall! Im Gegenteil, heute gibt es tausende von selbsternannten Gurus aller Art. Die «alten» Fallen wurden einfach neu verpackt, aber hineinzufallen ist heute noch viel einfacher als je zu vor!

In einem Interview mit Taky Kimura, welches im Dezember 1995 im CINTURON NEGRO erschien und von meinem früheren Sifu Chema (Jose Maria Fraguas) geführt wurde, stellte der Interviewer u.a. auch die Frage: «Wie würden Sie die Kunst Jeet Kune Do beschreiben?» Kimura Antworte wie folgt: «Ich sage nicht, dass ich JKD unterrichte, da ich zu einer früheren Zeit bei Bruce (Lee) gelernt habe. Bruce hat die Welt der Kampfkünste revolutioniert. Ich persönlich respektiere den Wert traditioneller Systeme, solange sie zur persönlichen Befreiung als Kampfsportler führen. Was Bruce getan und verteidigt hat, ist für die meisten Kampfsportler sehr schwer zu halten. Bruce pflegte zu sagen, dass …sie die Einfachheit mit der Zeit verstehen werden.
Andererseits kann ich sagen, dass ich die einzige Person in Seattle bin, die Bruce ‘auf dem Laufenden’ hielt, was er als Jeet Kune Do erschaffen hatte.

Bruce hatte seine körperliche Methode, die er Jeet Kune Do nannte, und ich glaube aufrichtig, dass sie als grundlegende Struktur und technischer Kern erhalten werden muss. Es ist wichtig zu verstehen, dass wir, genauso wie beim Betrachten einer schönen Skulptur, den gesamten Prozess verstehen müssen, den der Autor des Werkes durchlaufen hat. Es ist also wichtig, die Teile, die er verwirft, durchzulaufen, sie zu studieren und zu lernen… bis zur ‘letzten Weisheit’.»

Nicht zuletzt möchte ich meinen Gracie Jiu-Jitsu-Schüler und Vertreter in Schwyz, Peter Mettler vom MOTU Gym danken, der mir die Fotos mit Taky Kimura für diesen Artikel zur Verfügung stellte und mir netterweise folgenden Text dazu schrieb:
«Ich hatte die Ehre Grossmeister Taky Kimura an einem Seminar in Deutschland kennen zu lernen. Er war einer der ersten Schüler von Bruce Lee, und eine der bekanntesten Grössen im Jeet Kune Do, der die letzten Jahrzehnte die Kampfkunstwelt mitgeprägt hat.
Mit über 90 Jahren war er eine sehr eindrückliche Erscheinung, der eine faszinierende Kraft ausstrahlte und mit wachen Augen keinen Zweifel daran liess, dass all die Gerüchte wahr sind.
Ich durfte mit ihm ein wenig Chi Sao machen, und beim Essen mich mit ihm austauschen. Unschätzbare Ratschläge aus mehr als 70 Jahren Kampfkunst waren ein grosses Geschenk.
Die Kampfkunst, die er auch mit über 90 Jahren noch vertrat, ist eine kompromisslose Selbstverteidigung und die Schnelligkeit und Energie dieses Mannes war tief beeindruckend.»

Bleibt alle gesund und stark!
–Franco Vacirca


Published by Franco Vacirca

Martial arts and self-defense instructor since 1989, Consultant, Author, and Public Speaker. My goal is to teach Gracie Jiu-Jitsu the way it was intended to be taught, for self-empowering. I am based in Zurich, Switzerland - but I teach around the globe. I consider myself a Visionary Entrepreneur.

Leave a Reply

Please log in using one of these methods to post your comment:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: